Gedichte


Der Wolf, der unter dem Felsen lebt
hat mich eingeladen
von seinem kühlen Wasser zu trinken.
Nicht zu planschen oder baden,
sondern aus der Sonne zu treten &
die ausgestorbene Wüstennacht kennenzulernen
& die kalten Menschen
die dort spielen


Deine Worte
helle Sternschnuppen
entgleiten
meinen Händen
und
zerschellen
am Boden


Tanzen
auf regennassem Dach
in den Schluchten
Sirenengeheul
am Himmel
ein bleicher Mond


Narziss

Wind kommt auf
Dein Bild zerfällt
und sinkt auf den Grund des Sees


Alles ist unwirklich
die pinkfarbene Imbissbude
der Bettler
am Montag wie am Samstag
die klammen Hände
um einen leeren Plastikbecher
Jingle Bells


Die Wörter in meinem Kopf
fliegen herum wie gefangene Vögel
Manchmal, in der Nacht,
gelingt es einem, zu fliehen
und wird zu einem Traum
Und mein Herz flattert ängstlich
wie die Flügel eines Spatzen


Auf dem Eis

Sie ziehen ihre Kreise
weite und enge
manchmal, scheinbar zufällig
kreuzen sich ihre Wege
eine leise Berührung
ein Blick
schon vorbei


Ich habe ein Verräterherz
eines, das sich Treue wünscht
und klopft, wenn es dich sieht

Ich habe ein Verräterherz
eines, das von Stärke träumt
und schwach ist, wenn es dich sieht

Ich habe ein Verräterherz
eines, das sich Wahrheit wünscht
und lügt, wenn es dich sieht


Das Lied von der Straße nach Nizza

Es war einmal eine Straße
die stieg hinab
zusammen mit einem
ungezähmten Bach
durch eine enge Schlucht

Im Sommer troff das
Wasser von den Felsen
im Winter errstarrte es
zu eisiger Schönheit
und verband Himmel und Erde

Im Frühjahr wurden sie eins
Straße und Fluss
Die Wasser stürzten hinab
zum Meer

Es waren einmal die hohen Herren
in einer Stadt
am Anfang der Schlucht
sie wollten Erde und Wasser trennen

Sie wollten eine Straße
ferner
schneller
besser

Sie wollten eine Straße
mit phosphoreszierenden Mittelstreifen
mit hell erleuchteten Tunneln

Sie wollten eine Straße
in der gab es keine Jahreszeiten
keinen Sommer
keinen Winter
kein Frühjahr

Die hohen Herren hielten Rat
weitab von der Schlucht
in ihrer Stadt

Dann bohrten sie tiefe Wunden in den Fels
zerfetzten seine Eingeweide mit Dynamit
schoben den Bach zur Seite
betonierten sein Bett

Es gibt eine Schlucht
auseinandergerissen
eine klaffende Wunde
durch die Autos rasen
wie scharfe Klingen

Die Schlucht schreit lautlos
und keiner hört sie
Der Bach ist verstummt

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