Alifa Saba Ayvar


Eine Reiterin auf einem nebelgrauen Pferd nähert sich in leichtem Trab der Taverne. Das offensichtlich noch junge Tier ist ein Tulamide, in seine dunkelgraue Mähne sind zahlreiche bunte Bänder geflochten, ebenso in seinen Schweif. Die Satteldecke ist aus kunstvoll gewebtem Stoff, der in allen Farben des Regenbogens leuchtet.

Vor der Taverne schwingt die Reiterin ihr Bein im Bogen über den Hals des Pferdes bevor dieses steht und landet mit einem weichen Sprung auf dem Boden.
Bevor sie es anbindet, führt sie es zum Wassertrog, um es ausgiebig saufen zu lassen, dann führt sie die Stute zu den anderen Reittieren und bindet sie an. Die junge Frau verzichtet darauf, ihr Gepäck loszubinden, denn sie hat nicht vor, allzu lange hier zu verweilen. Nur ein kleines Bündel, das vorne am Sattel baumelt, hängt sie sich über die Schulter. Dann geht sie mit lebhaften Schritten auf die Tür zum Eingangsbereich der Taverne zu.

Die Tür der Taverne wird schwungvoll von außen geöffnet, und nur die Schwere des Eichenholzes verhindert, dass sie gegen die Wand kracht.

Alifa Saba Ayvar betritt den Raum mit einem erwartungsvollen Lächeln. Sie ist eine junge Frau von höchstens achtzehn Jahren und man kann unschwer ihre Zugehörigkeit zum Volk der Zahori erkennen: ihre messingfarbene Haut, ihre schlanke, doch durchaus wohlgeformte Gestalt, die aufs vorteilhafteste in ein kurzes, rotes, bunt besticktes Schnürleibchen und rote Pluderhosen gekleidet ist. Ihre bloßen Arme sind über und über mit silbernen Reifen geschmückt, und um ihre Fesseln trägt sie eine Unzahl kleiner Glöckchen, die jeden Schritt ihrer nackten Füße mit einem silbrigen Ton begleiten. Eine Flut rabenschwarzer Haare fällt über ihren Rücken, kaum gebändigt von roten Bändern, die kunstvoll in die Locken geflochten sind. Ihre dunklen, von schwarzem Khôl umrahmten Augen schweifen durch die Gaststube und verfinstern sich kurz angesichts der wenigen Gäste. „Phex zum Gruße!“ ruft sie vernehmbar in die Runde und geht dann mit fast tänzerischem Schritt auf die Theke zu.

(…)

Auf Alifas Gesicht spiegelt sich erst leise Überraschung, dann Freude wider. Ihr eben noch professionelles Lächeln weicht einem echten Strahlen. Nicht jeder Wirt empfängt eine Zahori mit so viel Freundlichkeit.
„Hier an der Theke wäre schon recht.“ An der Art, wie sie das ‚R’ tief in der Kehle rollt kann man hören, dass sie aus Almada kommt.

Sie nimmt ihr Bündel von der Schulter und stellt es ziemlich achtlos neben sich auf den Boden; offensichtlich enthält es nichts, was für andere von Wert sein könnte. Während sie auf den Wein wartet, mustert sie die Taverne; ihr Blick schweift beiläufig über die Gäste, verweilt einen Augenblick auf der Bühne und kehrt dann zum Wirt zurück. „Nicht allzu viel los im Moment, was? Aber schön habt Ihr es hier.“

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