Sharmila saba al’Laila saba Neraidane Sala


Eine Reiterin nähert sich in gestrecktem Galopp der Taverne. Staub wirbelt auf, als sie das Pferd im Hof zum Stehen bringt und, schwungvoll das Bein über den Sattelknauf schwingend, abspringt. Das Pferd, ein Goldfelser, ist schaumbedeckt von dem scharfen Ritt, und seine Herrin schaut sich nach einem Stallburschen um, der ihr die Sorge um das Tier abnehmen wird. Als niemand auftaucht, runzelt sie die im Übrigen makellose Stirn und klatscht in die Hände.
„Bursche!“
Nichts.
„Bursche?“
Nichts.
Kopfschüttelnd bindet sie den edlen Hengst neben den anderen Pferden an, um sich dann seufzend auf die Suche nach einem Bediensteten zu machen.
Sie ist bereits auf dem Weg in Richtung Taverneneingang, als sie Stimmen hört. Die Miene der Dame hellt sich auf und sie lenkt ihre Schritte zielstrebig in Richtung der Zuschauerbänke.

Sharmila saba al’Laila saba Neraidane Sala betritt den Hof und nähert sich mit kleinen, aber energischen Schritten den Zuschauerbänken. Sie ist von Kopf bis Fuß in feines Tuch gewandet: ein knapp sitzendes, grünes Schnürleibchen bringt ihre üppige Gestalt vorteilhaft zur Geltung, eine seidene Pluderhose in derselben Farbe, deren Saum reich mit Perlen bestickt ist und kleine, spitz zulaufende Schuhe aus feinem Leder runden das erfreuliche Gesamtbild ab. An den bloßen, ebenfalls wohlgerundeten Oberarmen trägt sie unzählige Silberreifen und -kettchen, ebenso an Hand- und Fußgelenken, um den Hals und an den Fingern. Den linken Nasenflügel und beide Ohren zieren kleine, jedoch edle Perlen. Ihre gelockten Haare, die ihr im Rücken bis zur schmalen Taille reichen und die nur von einem grünseidenen Band lose zusammengehalten werden, glänzen wie Rabenflügel, während ihre von seidigschwarzen Wimpern eingerahmten Augen von einem tiefen, samtigen Braun sind, die nun, da sie endlich eine lebende Seele gefunden hat, erfreut aufleuchten.

„Ich fürchtete schon, es gäbe außer mir niemanden hier an diesem gottverlassenen Fleckchen Deres! Kann mir jemand sagen, wo ich hier den Stallburschen finde?“
Mit einem bezaubernden Lächeln sieht sie sich unter den Anwesenden um und steuert dann geradewegs auf Zolthan zu, den sie sofort als den Mann erwählt hat, der alle Unannehmlichkeiten für sie beseitigen wird.
„Wenn du bitte so freundlich bist, mein Pferd abzusatteln, es trocken zu reiben und es mit Wasser und Futter zu versorgen, guter Mann, und mir dann mein Gepäck hineinzutragen.“

Jetzt, da sie näher kommt, kann man sehen, dass sie an der Seite ihres breiten Gürtels, der ebenfalls reich verziert ist, einen kunstvoll gearbeiteten Khunchomer trägt, der an dieser Person allerdings mehr wie Schmuck denn Waffe wirkt, zumal er glänzt, als sei er noch nie benutzt worden. In der Linken hält sie einen Fächer, mit dem sie sich während sie spricht unablässig kühle Luft zufächelt.

„Und bei der Gelegenheit sag bitte dem Wirt Bescheid, er solle mir einen Krug Goldfelser Morgenrot hinausbringen“, setzt sie nach kurzer Überlegung hinzu.
Dass der Mann vor ihr sie um ein Gutes überragt, scheint sie nicht im Mindesten zu beeindrucken, ebenso wie sie keinen Gedanken daran verschwendet, dass seine Aufgabe hier vielleicht eine andere sein könnte als die, edlen Damen das Gepäck zu tragen.

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