2 Filme von Tony Gatlif


Tony Gatlif

Tony Gatlif

Tony Gatlifs immer wiederkehrende Themen sind Nomadentum, Emigration und die menschenverbindende Wirkung von Musik. Dabei sind seine Filme weniger skurril als die des weit bekannteren Emir Kusturica, mehr an den realen Verhältnissen interessiert. Man kann Gatlif vorwerfen, dass er die Welt der Roma in Gadjo Dilo oder die der Migranten in Exil in einem zu positiven Licht erscheinen lässt, doch sein Anliegen ist legitim: es geht ihm um Akzeptanz gegenüber fremden Kulturen, und zwar nicht mit dem wohlwollenden, aber distanzierten Blick des Ethnologen, sondern mit dem eines Menschen, der daran teilhat. Und immer wieder geht es ihm um die Suche nach den eigenen Wurzeln, die er in der Musik findet, oder, wie in Exil, indem er seine Protagonisten den Weg der Eltern in die Emigration in umgekehrter Richtung gehen lässt. Was sie dabei finden, ist nicht immer schön, aber es ist ihre Identität, die ihnen jenseits eines realen Ortes eine Heimat gibt.


Gadjo Dilo

Gadjo DiloStéphane, ein junger Franzose, reist auf der Suche nach einer Sängerin, deren Musik ihm sein Vater auf einer Musikcassette hinterlassen hat, nach Rumänien. In einem kleinen Dorf wird ihm von Isidor, einem alten Roma, nachdem sie gemeinsam eine Flasche Schnaps geleert haben eine Schlafstatt angeboten. Als Stéphane am nächsten Morgen aufwacht, steht das halbe Dorf vor der Tür, neugierig, wer der Gadjo, der Fremde, wohl sei. Da ihn keiner versteht, schickt man nach Sabina, die als Einzige französisch spricht, um zu übersetzen. Er trägt sein Anliegen vor und Izidor willigt ein, ihm bei der Suche zu helfen, Zu Anfang stehen die Roma dem Gadjo feindselig gegenüber, man verspottet ihn, der nichts von dem versteht, was man zu ihm sagt. Trotzdem bleibt er bei Isidor, nimmt immer mehr Teil am Leben der Dorfbewohner und gewinnt zunehmend ihren Respekt, als sie erkennen, dass er sich wirklich für ihr Leben und ihre Musik interessiert und ihnen nicht misstrauisch und feindselig gegenübersteht. Sein ursprünglicher Plan, nach Nora Luca zu suchen tritt in den Hintergrund; nun geht es ihm um viel mehr: er will die Musik der Roma dokumentieren, festhalten, was im Verschwinden begriffen ist. Sabina begleitet den jungen Franzosen zuerst nur widerstrebend auf seine Ausflüge zu den Musikern, doch ihre Sympathie für den Gadjo wächst und auch Stéphane verliebt sich in die temperamentvolle Roma. Eines Tages, während die beiden sich davongeschlichen haben um zum ersten Mal miteinander zu schlafen, wird der gerade aus dem Gefängnis entlassene Sohn Izidors nach einem Streit ermordet und das Dorf von einem entfesselten Mob niedergebrannt. Stéphane und Sabina stehen vor den rauchenden Trümmern und es bleibt ihnen nur noch, dem verzweifelten Izidor vom Tode seines Sohnes zu berichten. In der letzten Szene sieht man wie Stéphane alle Kassetten die er in den Monaten, die er bei den Roma verbrachte aufgenommen hat, begräbt. Nachdem er eine Flasche Wodka teils getrunken, teils über dem ‚Grab‘ ausgeleert hat, beginnt er zu tanzen, wie einst Izidor es bei der Beerdigung eines Freundes auf dessen Grab getan hat. Zuletzt kehrt er zurück zu seinem Auto, wo Sabina auf dem Rücksitz gerade erwacht ist und ihn anlächelt.

Gadjo Dilo  Gadjo Dilo Gadjo Dilo  Gadjo Dilo5


Exil

Exil Es ist eine Suche nach ihren Wurzeln, die Zano und Naima unternehmen, er, dessen Eltern, französische „pieds-noirs“, nach Algeriens Unabhängigkeit das Land in Richtung Frankreich verließen, und sie, deren Vater seine arabische Herkunft verleugnet. Aus einer spontanen Idee wird eine Reise, die die beiden von Paris durch Frankreich und Spanien bis nach Algerien führt, sie überschreiten dabei Grenzen, äußere und innere, was manches Mal selbstzerstörerische Züge annimmt. Man kann diesen Film nicht erzählen, er lebt von seinen starken Bildern, von der Musik, von der Intensität, mit der die beiden Protagonisten sich dem Leben ausliefern.

Exil 2 Exil6  Exil5  Exils 1

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s