Die Liebenden von Pont-Neuf


“ J’ai eu peur Michèle, je courais sous l’eau, j’ai fait un cauchemar, serre moi. C’était la nuit, t’était plus sur le pont, t’étais perdu dans le noir, je te cherchais, je voyais plus rien. „


Die Wege zweier Verlorener kreuzen sich auf dem wegen Restaurierungsarbeiten gesperrten Pont-Neuf in Paris. Alex, ein Obdachloser, der dort in Gesellschaft eines alten Clochards seine einsamen Tage und schlaflosen Nächte verbringt, und Michelle, eine junge Malerin, deren Sehvermögen wegen einer unheilbaren Krankheit von Tag zu Tag schwindet, und die aus Verzweiflung darüber mit ihrem bürgerlichen Leben gebrochen hat. 
Alex verliebt sich in die junge Frau, die ihn mit ihrem wütenden Lebenshunger in Bann schlägt, und sie bleibt bei ihm auf der Brücke, zeichnet ihn, solange sie ihn noch sehen kann, was ihr immer schwerer fällt. Beide stürzen sich in einen Rausch exzessiver Gefühle, wilder Lebensfreude, gefolgt von Schmerz und Traurigkeit.
Alex, der spürt, dass Michelle nicht hierher gehört, wird von immer größerer Angst sie zu verlieren verfolgt, und greift zu immer skrupelloseren Mitteln, um sie zu halten. Zuletzt nimmt er sogar den grausamen Tod eines Unbeteiligten in Kauf. Als sie erfährt, dass es eine Behandlung gibt, die ihr Augenlicht retten kann, verlässt sie ihn tatsächlich und kehrt in ihr früheres Leben zurück. Er wird verhaftet und muss wegen Totschlags ins Gefängnis.
Eines Tages besucht sie ihn dort; beide haben sich in den zwei Jahren, die seitdem vergangen sind verändert, doch Michelle erkennt, dass sie Alex immer noch liebt. Sie verabreden sich für den ersten Silvesterabend nach seiner Entlassung aus der Haft am nun wieder für den Verkehr geöffneten Pont-Neuf, dem Ort ihrer ersten Begegnung. Dort feiern sie den Beginn des neuen Jahres und ihre Liebe, doch als Michelle erklärt, dass sie noch einmal fort müsse, reißt Alex sie von der Brücke mit sich in die Tiefe. Ein Frachter, dessen Besatzung nur aus einem alten Ehepaar das auf seiner letzten Reise ans Meer ist, besteht, fischt sie aus dem Wasser, und die Liebenden beschließen, endgültig zusammen zu bleiben.

Es ist schwer, zu diesem Film eine kritische Distanz zu halten. Man wird hineingezogen, schon die ersten Bilder lassen einen nicht mehr los. Man sieht, wie ein Bus die Gestrandeten der Nacht, Betrunkene, Obdachlose, Drogensüchtige, einsammelt, wie sie in einer trostlosen Unterkunft zusammengepfercht werden, wo man ihnen jede Würde nimmt. Diese Passage des Films ist von einem gnadenlosen Realismus geprägt, sodass man sich fragt, ob der Regisseur hier dokumentarische Aufnahmen verwendet hat. Kontrastiert werden solche Bilder immer wieder mit fast märchenhaft schönen Einstellungen des nächtlichen Paris, durch das die Liebenden taumeln, rennen, tanzen.
Und der abgesperrte Pont-Neuf? Er ist das Refugium, dort herrscht Stille, das Leben der Großstadt ist hier nicht zu spüren, es ist, als habe jemand die Zeiger einer großen Uhr angehalten, es ist der einzige Ort, an dem Alex und Michelle ihre Liebe leben können.
Leider ist das Ende des Filmes unbefriedigend, der Regisseur Leos Carax hat sich nicht getraut, es offen zu lassen und erzählt stattdessen einen meiner Meinung nach unglaubwürdigen Schluss. Besser wäre es gewesen, den Film mit dem Eintauchen der Liebenden in das Wasser der Seine enden zu lassen, eine Möglichkeit, die dem Filmseher zuhause offen steht und die ich nur empfehlen kann.

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