Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins


Er haderte mit sich, bis er sich schließlich sagte, es sei eigentlich ganz normal, daß er nicht wisse, was er wolle. Man kann nie wissen, was man wollen soll, weil man nur ein Leben hat, das man weder mit früheren Leben vergleichen noch in späteren korrigieren kann.


Schon der Titel der Verfilmung von Philip Kaufmann und des gleichnamigen Buches von Milan Kundera lässt einen stolpern, denn er konfrontiert uns durch seine Paradoxie mit den Widersprüchen und philosophischen Fragen, die auftauchen, wenn man sich mit dem  Thema Freiheit auseinandersetzt.

b43Tomáš, ein junger Arzt, trifft in der tschechischen Provinz auf die Fotografin Teresa und hat eine kurze Affäre mit ihr. Sie verliebt sich in ihn und folgt ihm wenig später nach Prag, wo sie bei ihm einzieht, was er akzeptiert, da er ihrer entwaffnenden Hilflosigkeit nichts entgegenzusetzen hat. Seine wechselnden Verhältnisse zu anderen Frauen jedoch gibt er nicht auf; besonders die Beziehung zu der  attraktiven Künstlerin Sabina ist er nicht gewillt zu beenden. Teresa, die stark unter ihrer Eifersucht leidet, sucht Sabina auf und es entwickelt sich, da sich die beiden Frauen vorsichtig einander annähern, eine fragile Ménage à trois. Es ist die  Zeit des Prager Frühlings, die Zeichen stehen auf Freiheit sowohl im Privaten als auch im politischen Sinn, man diskutiert, liebt und lebt. Doch dann beenden die sowjetischen Panzer diese kurze Phase, in der alles möglich schien. Sabina, die die Atmosphäre der Unfreiheit und des Misstrauens nicht erträgt, verlässt Prag und geht als eine von vielen ins Exil, Tomáš und Teresa versuchen sich den neuen Verhältnissen anzupassen. Wegen einer unbedachten Äußerung wird der Arzt denunziert und erhält Berufsverbot, sodass die beiden beschließen, ebenfalls in die Schweiz zu fliehen, wo sie wieder auf Sabina treffen, die dort als Dissidentin (miss)verstanden wird. Teresa, die während des Aufstandes gegen die Truppen des Warschauer Paktes als Fotografin endlich ein für sie neues Selbstbewusstsein erlangt hat, muss erkennen, dass Tomáš sie auch unter den Umständen, unter denen sie nun leben, betrügt. Sie fühlt sich entwurzelt und unglücklich und kehrt schließlich zurück in die Tschechoslowakei,

   

dem „Land der Unfreien und Feiglinge“. Daraufhin nimmt Tomáš endgültig von Sabina Abschied und folgt Teresa nach Prag, wo er als Fensterputzer arbeitet und weiterhin häufig andere Frauen trifft. Erst als das Paar in die Provinz geht, kommen beide zur Ruhe und finden ein einfaches Glück, das jedoch bei der Rückkehr von einem ausgelassenen Tanzabend auf einer Landstraße jäh endet.

Das Thema des Films ist Freiheit, in politischer, in philosophischer, in persönlicher Hinsicht. Er geht der Frage nach, was Freiheit für den Einzelnen überhaupt bedeutet und ob sie nicht auch eine Last sein kann, oder eine Verpflichtung, der nicht jeder gewachsen ist. Dabei stehen die Protagonisten für ganz unterschiedliche Freiheitsentwürfe: Tomáš ist ein im Grunde unpolitischer Mensch, ein Libertin, für ihn ist Freiheit eine Selbstverständlichkeit, für die er nicht kämpfen muss, sondern die er sich nimmt. Teresa hingegen findet Sicherheit nur in der Verlässlichkeit ihrer Beziehung zu Tomáš, für sie sind Liebe und Vertrauen das Fundament, auf dem sie sich frei fühlen kann. Sabina liebt ihre Ungebundenheit und ist als Einzige nicht bereit, Kompromisse einzugehen. Trotzdem sind ihre Beziehungen zu den sie umgebenden Menschen nicht oberflächlich, sondern von einer unausgesprochenen Tiefe und Intensität. Und zuletzt bleibt noch die Frage, ob man in einem unfreien System ein freies Leben führen kann oder nicht. Der Film bietet keine vorgefertigten Antworten, sondern nur Ideen, denen man folgen kann oder auch nicht und lässt damit dem Zuschauer die Freiheit, selbst zu entscheiden.

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